Queer im Sport
Der Kreissportbund Coesfeld e.V. und die Sportjugend Kreis Coesfeld schätzen die Vielfalt der Menschen und möchten dem queeren Sport mehr Sichtbarkeit schaffen.
Lasst uns gemeinsam eine Umgebung schaffen, in der alle Menschen, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung, willkommen sind.
Wer sind queere Menschen?
„Queer“ ist ein Oberbegriff im Bereich sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Lebensweisen, die von der Norm von Heterosexualität (= eine Person fühlt sich zu Personen des anderen binären Geschlechts hingezogen) und Cis-Geschlechtlichkeit (= das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht stimmt mit dem tatsächlichen Geschlecht/der eigenen Geschlechtsidentität überein) abweichen, werden als queer bezeichnet. In dem Zusammenhang wird auch häufig das Akronym LSBTIQ+ verwendet, das in der folgenden Abbildung erklärt wird:
Wo kann ich einzelne Begriffe genauer nachlesen?
Hier gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Zu empfehlen ist das Queere Sport Glossar des Queeren Netzwerks Niedersachsen oder die Vielfaltsfibel des Lesben- und Schwulenverbands. Online ist die Version in Leichter Sprache abrufbar. Darüber hinaus ist selbstverständlich auch eine eigene Recherche (z. B. über Suchmaschinen) zu weiteren Begriffen möglich.
Wieso ist Queerness im Sport relevant?
Etwa 10 % der Menschen in Nordrhein-Westfalen identifizieren sich als LSBTIQ+. Statistisch entspricht das fast 22.800 queeren Menschen im Kreis Coesfeld – mehr, als z. B. in Rosendahl und Nordkirchen zusammen leben.
Queere Menschen sind also ganz selbstverständlich Teil unserer Gesellschaft und natürlich auch unserer Sportvereine – als Mitglieder, Ehrenamtliche, Übungsleitende, Gremiumsmitglieder oder Fans. Gleichzeitig erleben sie im Sport noch immer häufiger Diskriminierung, Ausgrenzung oder Gewalt. Deshalb ist es wichtig, Sportvereine aktiv so zu gestalten, dass sich alle Menschen sicher, respektiert und willkommen fühlen.
Wie kann ich mich selbst zur queeren Vielfalt im Sport weiterbilden?
Selbstlernkurse
Rolle(n) vorwärts: Geschlechtergerechtigkeit im Sport
- Kostenloser Online-Selbstlernkurs vom LSB NRW in Kooperation mit der FUMA Fachberatungsstelle Gender & Diversität NRW
- Wurde 2025 umfassend überarbeitet
- Mit 16 LE wird der Kurs für die Verlängerung folgender Lizenzen anerkannt: ÜL-C (Breitensport, sportartenübergreifend), VM-C und Sonderlizenz Selbstbehauptung & Selbstverteidigung
- Link
E-Sporttasche von Klischeefrei im Sport
- Kostenloser E-Learning Kurs
- Für alle Personen im organisierten Sport
- Ziele: Sensibilisierung zu Geschlechterklischees im Sport, Vermittlung von Wissen über strukturelle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und Motivierung zur aktiven Gestaltung einer klischeefreien Sportkultur
- Link
#BIT* Basics Inter* und Trans* Geschlechtervielfalt für die Praxis
- Der digitaler Selbstlernkurs richtet sich an Interessierte, die Wissenswertes über geschlechtliche Vielfalt, Inter* und Trans* lernen möchten
- Sensibilisierung und Qualifizierung zur Anwendung im Sport
- Link
Materialien (keine klassische Fortbildung)
Charta für geschlechtliche Vielfalt im Sport
- Bietet praxisnahen Einstieg in die Grundlagen geschlechtlicher Vielfalt
- Zusätzlich bieten kurze Wissensbausteine Orientierung und liefern konkrete Impuls
- Kein klassisches Qualifizierungsformat, aber kann als Gesprächsanlass im Team, als Grundlage für Selbstreflexion oder als gemeinsamer Beschluss bei der Mitgliederversammlung genutzt werden
- Link
Vielfalt in Bewegung
- Dient als zentrale Anlaufstelle für Themen rund um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im organisierten Breitensport
- Die „queere Sportbibliothek“ bietet eine Sammlung an Handreichungen, Studien, Leitfäden und Spielordnungen
- Zielgruppenspezifische Fortbildungen können angefragt werden
- Link
Für Vereine
Kurz und Gut „Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Sport“
- für Sportler*innen, Trainer*innen, Ehrenamtliche, Funktionsträger*innen
- Einstieg mit Begriffen und Erklärung (Abholung am individuellen Wissensstand)
- Auseinandersetzung mit Barrieren und Diskriminierung im Alltag und Sport
- Ziel: mehr Handlungssicherheit im Umgang mit Vielfalt
- Erweiterung für Funktionsträger*innen möglich
- Anfrage über den KSB Coesfeld
- Link
Infos und Kontakte im Überblick
Was macht der KSB Coesfeld bereits?
- Queer-Beauftragter als Ansprechperson
- Verwendung von gendersensibler Sprache
- Geschlechtsabfrage auf das Nötigste reduziert & eigene Listen um die vierte Option „individuelle Angabe“ (neben männlich, weiblich, divers) ergänzt
- Öffentlichkeitsarbeit zu queeren Themen auf unsere Homepage & auf unseren Social-Media-Kanälen
- Meldebogen entwickelt
- Erweiterung des Schutzkonzeptes um queere Vielfalt
- Interne Sensibilisierung der Gremien, der Geschäftsstelle & des Lehrteams
- Austauschrunden & Fortbildungen für Vereine
Wie schaffe ich ein queerinklusives Sportumfeld?
Zu dieser Frage hat der Landessportbund NRW in Kooperation mit dem Queeren Netzwerk NRW einen Leitfaden entwickelt.
Was hat es mit dem Gendern auf sich?
Der Begrif „Gender“ kommt aus dem Englischen und meint das soziale Geschlecht (im Gegensatz zu „sex“ als dem biologischen Geschlecht). Der Begriff bezieht sich damit auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse und -vorstellungen: Welche Geschlechter gibt es? Wie werden sie definiert und welche Rollen und Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben und zugewiesen?
Es gibt mehr als zwei Geschlechter, mehr als ‘männlich’ und ‘weiblich’. “Gendern” ist die sprachliche Möglichkeit, genau das auszudrücken. Dafür gibt es verschiedene Herangehensweisen. Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen: Das Wort “Übungsleiter” kann gegendert “Übungsleiter*innen”, “Übungsleiter:innen”, “Übungsleiter_innen” oder auf weiteren Wegen ausgedrückt werden. Dazu, wie genau gegendert werden soll, gibt es viele verschiedene Meinungen. Wir vom Kreissportbund Coesfeld e.V. und die dazugehörige Sportjugend haben uns für die Variante mit dem Gender-Sternchen (*) entschieden. Unserer Meinung nach inkludiert das Sternchen gut erkennbar weitere Geschlechter und sorgt für die wenigsten grammatikalischen Unklarheiten in unseren Texten.
Allerdings versuchen wir in erster Linie, genderneutrale Sprache zu verwenden. Um auf das oben genannte Beispiel zurückzukommen, würde dann der Begriff “Übungsleiter*innen” durch den Begriff “Übungsleitende” ersetzt werden. Dadurch fokussieren wir uns auf die Tätigkeit der Übungsleitung, unabhängig vom Geschlecht der jeweiligen Personen.
Wir sind aktuell noch dabei, alte, bereits veröffentlichte Dokumente durchzuschauen und zu überarbeiten.
Richtige Ansprache und Pronomen
Es gibt Menschen, die sich mit den Pronomen “er” oder “sie” nicht identifizieren. Sie verwenden dann beispielsweise geschlechtsneutrale oder gar keine Pronomen. Diese Entscheidung sollte berücksichtigt werden, wenn mit oder von der Person gesprochen wird.
Im Falle von gar keinen Pronomen, wird einfach der Vorname der Person verwendet. Beispiel: Luca wohnt im Kreis Coesfeld. Luca gefällt es hier und Luca unternimmt gerne etwas mit Lucas Freunden.
Im Falle von geschlechtsneutralen Pronomen wird es etwas facettenreicher. Aus dem Englischen kennst du vielleicht schon die Möglichkeit, „they/them“-Pronomen zu verwenden, um sich geschlechtsneutral auszudrücken. Das kann man im Deutschen auch so übernehmen. Beispiel: Mika hat their Fahrrad zur Reparatur gebracht. Darum habe ich them meins ausgeliehen, bis they das Fahrrad zurückbekommt.
Dies ist aber nicht die einzige Möglichkeit. Weitere Alternativen im Deutschen sind „em/ems“, „dey/deren“ oder „xier/xies“. Das klingt vielleicht erst einmal komplex, aber du musst nicht alle Möglichkeiten auswendig kennen.
Welche Pronomen eine Person bevorzugt, ist individuell unterschiedlich – es geht dabei nicht um Geschmack, sondern um Identität und Selbstbestimmung. Wenn du dir unsicher bist, welche Pronomen eine Person verwendet, fragt sie einfach freundlich. So zeigst du Offenheit und Respekt und kannst sicherstellen, dass du der Person auf Augenhöhe begegnest und ihre Identität anerkennst.
Auch in der ersten Ansprache kann dies bei unbekannten Personen berücksichtigt werden. So kann eine E-Mail oder ein Anschreiben zum Beispiel mit “Hallo Max Müller” beginnen, anstatt durch die Formulierung “Sehr geehrter Herr Müller” Annahmen zum Geschlecht aufzustellen.
Es ist einer Person nicht anzusehen, welche Pronomen diese Person verwendet. Dementsprechend kann bei der eigenen Kommunikation (z. B. in der E-Mail Signatur, auf einem Namensschild, im Instagram Profil etc.) darauf geachtet werden, die eigenen Pronomen anzugeben (z. B. er/ihn, sie/ihr, dey/denen, keine Pronomen, sie/denen). So wird normalisiert, diese anzugeben bzw. diese zu erfragen, sodass eine Person, die andere Pronomen verwendet, sich nicht ständig erklären bzw. andere darauf hinweisen muss.
Weitere Kontaktstellen
Treffpunkt Jugendarbeit in Nottuln e.V.
Beim Treffpunkt Jugendarbeit in Nottuln e.V. gibt es ein Angebot für queere Jugendliche (14-21 Jahre) aus dem gesamten Kreis Coesfeld. Es findet ein monatliches Treffen statt, bei dem sich junge queere Menschen austauschen und sich gegenseitig stärken können. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, sich über das Thema zu informieren und sich beraten zu lassen. Weitere Infos findet ihr hier.
Jugendhaus Stellwerk in Coesfeld
Das Jugendhaus Stellwerk ist zertifizierte Kontaktstelle für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Begleitet wurden sie bei dem Prozess von der NRW-Fachberatungsstelle "Gerne anders!".
Als Kontaktstelle bietet das Jugendhaus Stellwerk auch nicht-heteronormativen Jugendlichen und jungen Erwachsenen kompetente Unterstützung in Bezug auf sexuelle Orientierung, geschlechtliche Vielfalt, Liebe, Partnerschaft und Lebensformen. Weitere Infos findet ihr hier.
Fachberatungsstelle "gerne anders!"
Die NRW Fachberatungsstelle "gerne anders!" unterstützt Fachkräfte, Einrichtungen, freie Träger und Kommunen darin, junge Lesben, Schwule und Bisexuelle sowie Trans*- und Inter*personen (LSBT*I*) verstärkt als Zielgruppe der Jugendarbeit in den Blick zu nehmen, bedarfsgerechte Angebote für sie zu gestalten, Zugangsbarrieren bei bestehenden Angeboten abzubauen und Maßnahmen zum Abbau gegen Hetero- und Cisnormativität sowie LSBT*I*feindlichkeit zu ergreifen. Weitere Infos findet ihr hier.
Queere Jugendtreffs NRW
Die Fachstelle Queere Jugend NRW hat eine Übersicht über alle Treffs und Gruppen für LSBTIQ+ Jugendliche erstellt. Dort findest du auch verschiedene Kennzeichnungen, wie z.B. „Beratungsangebot durch Fachkräfte“, „Mit Rollstuhl erreichbar“ oder konkrete Ausrichtungen, wie z.B. für Trans* oder BIPoC Jugendliche (junge Queers mit Flucht-, Migrations- und Rassismuserfahrungen). Weitere Infos findet ihr hier.
Coming Out und so
Die Online-Beratungsstelle „Coming out und so“ ist ein Angebot für LSBTIQ+ Jugendliche und junge Erwachsene. Sie bietet anonyme und kostenfreie Online-Beratung per Mail, Messenger oder Video zu Themen wie Coming-out, Identität oder Beziehungen. Das Besondere: Die Beratung erfolgt durch ehrenamtliche Peer-Berater*innen (Jugendliche beraten Jugendliche), die selbst queer sind und von Fachkräften begleitet und geschult werden. Das Angebot ist vertraulich, anonym und niedrigschwellig und richtet sich an alle, die Fragen haben oder Unterstützung suchen. Weitere Infos findet ihr hier.